"Der Schmerz verschenkt seine Heilkraft
dort, wo wir sie nicht vermuten."
Martin Heidegger

Trauer und Verlust

Trauer und schwerer Verlust gehören zu den unterdrücktesten Themen im Berufsleben, buchstäblich zu den totgeschwiegenen. Der Alltag geht weiter, die Umwelt fordert Funktionieren, „business as usual“ ist angesagt. Der Ausnahmezustand herrscht nur im eigenen Inneren. Es scheint hierzulande eine gesellschaftliche und kulturelle Vereinbarung zu geben, dass Trauern innerhalb einer „angemessenen“, begrenzten Zeit und auf „angemessene“ Weise zu erfolgen habe. Nur leider halten sich Gefühle öfters nicht an diese Vorgaben.

Trauernde erzählen häufig, dass Nicht-Trauernde ab einem gewissen Zeitpunkt die anfangs gezeigte Toleranz und das anfangs gezeigte Interesse nicht mehr aufbringen. Möglicherweise fehlt der Umwelt auch das seelische und kommunikative Rüstzeug, mit Trauernden umzugehen. Von einer mit Trauer offen umgehenden Kultur ist die unsere weit entfernt. Wer diese Tatsache erspürt, neigt dazu, sich zu verschließen – was den inneren Druck wachsen lässt und der Heilung der Trauer nicht förderlich ist. Wer hingegen mitteilsam mit seiner Trauer umgeht, stößt unter Umständen (außer in sehr fortschrittlicher Arbeitsumgebung) im Beruf auf nur begrenzte Einfühlung. Beides führt dazu, dass Trauernde sich mit ihrer Trauer oft sehr allein fühlen.

Führungskräfte, Selbständige und andere beruflich stark Exponierte haben ganz besonders damit zu kämpfen, dass der berufliche Alltag keinen Raum für die Verarbeitung schwerer Verluste zu lassen scheint. Bewusstsein für die Bedeutung des Themas „Trauer am Arbeitsplatz“ findet sich hierzulande in Unternehmen und Organisationen immer noch selten.

Unser Coaching-Angebot für Menschen, die mit Trauer und Verlust zu kämpfen haben, ist deswegen auf diese Klientel zugeschnitten. Unser Ansatz respektiert die Verschiedenheit der Formen zu trauern. Wir wollen dazu ermuntern, der Trauer ihre Zeit und ihren Platz einzuräumen und sie zum Anlass zu nehmen, das Leben neu zu ordnen. „Es wird nie wieder so sein, wie es vorher war“ – dieser Satz, der bei tiefgreifenden Verlusten (ob durch Tod oder Trennung geschehen) als sehr schmerzhaft empfunden wird, hält in sich die Chance zur not-wendigen, d.h. „Not wendenden“ Neuorientierung versteckt.

Auch anregen möchten wir Unternehmen und Vorgesetzte, sich rechtzeitig vor einem akuten Todesfall damit zu beschäftigen, wie sie Mitarbeitende und ihre Kollegen bei Schicksalsschlägen auffangen können. Hier gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, die insgesamt die Umgangskultur im Unternehmen stärken und verbessern – über den einzelnen Trauerfall hinaus.